Special Nr.15 - Die Geschichte der Label "Für Dich", "Für Sie", "BOX", "MFP" und "Auditon" » Alles beginnt mit einem kleinen Teddybären-Logo und dem darunter befindlichen Schriftzug "Für Dich" im Jahre 1973.

Es ist ein Verlagshaus, welches sich vornehmlich mit Frauenzeitschriften beschäftigt, das auf die Idee kommt im damals bereits boomenden Hörspielsektor mitzumischen.
Wie beinahe jedes junge Hörspiellabel so produziert auch der Jahreszeiten-Verlag unter dem "Für Dich-Label" zunächst die sattsam bekannten Kindermärchen, da sich diese, wie auch bei anderen Firmen, in der damaligen Zeit als sichere Bank erweisen.

Mit Hinweisen auf die Zeitschriftenproduktpalette auf den Rückseiten werden interessierte Eltern informiert, während sich die Kinder an klingenden Adventskalendern mit Schokofüllung, einer ersten Kasperserie (mit Pappkulisse und Figuren zum Auschneiden) für die man den Kaspergenius Gerd von Haßler einspann und Hänsel und Gretel erfreuen.

Bereits wenige Jahre später verlief das Label eine erste Veränderung im Erscheinungsbild:
Im großen Stil wurde nun, vor allem in Frauenzeitschriften wie"Für Sie" oder "Besser Wohnen", auf die Hörspielproduktpalette hingewiesen.Die Hörspielvertonungen wurden in ein Kooperationsformat umgewandelt auf dem der Zeitschriftname ebenbürtig neben dem Hörspiellogo präsentiert wurde,so daß die zu dieser entstandenen Veröffentlichungen, teilweise sogar mit Verdrängung des erst vor kurzer Zeit eingeführten "Für Dich-Logos" von der Vorder- auf die Rückseite, das großformatige "Für Sie-Logo" der Frauenzeitschrift aufwiesen.
Um die Exklusivität des Formats stärker hevorzuheben wurden alle Cover mit einer Seriennummerierung ausgestattet und mit einem gelbfarbigen Rahmen auf allen Vorderseiten unterlegt.

In dieser Periode entstanden neben einigen Kinderliteratur-Vertonungen wie z.B. "Anatol der Straßenklauer" oder "Tipsy und der Kater Mumpf" die ersten Serien des Verlages. Beide tauchten,neben einer handvoll Einzelhörspiele wie "Der König in der Kiste" oder "Gespenster Geschichten" später in einer nur kurzlebig existierenden Sonderreihe innerhalb des konkurrienden EMI-Verlages unter den Label "Mfp" und "Für Sie" mit einem blauen Rahmen und "Bonusmaterial" in Form von beiligenden Postern und Inforblättern wieder auf.

Zurück zum Kooperations-Format mit den bekannten gelben Rahmen:
Bekannteste Vertreter dieser Phase sind sicherlich 6-teilige "Tom Sawyer-Reihe" deren Thematik von keinem anderen Hörspiellabel bislang derartig ausführlich behandelt wurde und die ebenfalls sehr ausführliche Interpretation des "Reineke Fuchs"-Stoffes.

Ab 1974 wagt sich der Verlag an die ersten Abenteuerstoffe, populäre Themen dieses Genres wie "Robin Hood" oder "Die drei Musketiere" sind allerdings zu dieser Zeit bereits mehrfach von einer Vielzahl anderer, erfolgreicherer Label veröffentlicht worden. So wählt der Jahreszeiten-Verlag zunächst bewußt historische Themen, die einen gewissen Bildungsanspruch vermitteln (könnten) und derer sich nach Möglichkeit noch keiner der großen Konkurrenten gewidmet hat.
Als zugleich bekannte und begehrte Beispiele sind hier sicher Hörspiele wie "Galileo Galilei", "Christoph Columbus" oder auch "Die Besteigung des Nanga Parbat" zu nennen.

Mit dem Aufkauf durch die Teldec GmbH im Jahr 1975, ein Unternehmen, das schon in den 60'er Jahren Hörspiele im Single-Format produzierte und mit den eigenen Labels "Telefunken", "Decca" (Anmerkung: Teldec ist die Abkürzung der Symbiose aus Tel(efunken) und Dec(ca) ) und dem später gefolgten "Tom&Della-Club" ein gutes Stück vom Hörspielkuchen des damligen Marktes besaß, wurde sowohl das Format als auch das Konzept wieder umgestellt.
Neue Einzelhörspiele und Serien wurden aus der Taufe gehoben, unter denen die wohl bekanntesten Vertreter "Alle Jahre wieder saust der Preßlufthammer nieder", die "Kerlchen-Reihe" oder auch "Der Fernsehhase Cäsar" zu zählen sind. (All diese Produktionen fanden sich übrigens etwa gegen Ende der 70'er Jahre als Neuauflage unter dem Philips- und Fontana-Label der Phonogram AG wieder.)

Desweiteren startete die Teldec ein neue Märchenoffensive, bestehend aus vielen Standardwerken der Brüder Grimm und ähnlicher Stoffe, illustriert mit kindgerechteren und dem der großen Konkurrenz aus dem Hause Europa nicht unähnlichen Covern, in hohen Auflagen. Neue populäre Abenteuer-Vertonungen ala "Die Abenteuer des David Balfour", "Blinder Passagier an Bord" oder der Zweiteiler "Die drei Musketiere" erschienen ebenfalls während dieser Phase.
Etwas später entstand das Jugendlabel "BOX". Hierunter veröffentlichte die Teldec nun Neuauflagen alter Abenteuerstoffe aus den Anfängen des Jahreszeitenverlages, größtenteils mit neuen Coverillustrationen wie z.B. die "Tom Sawyer-Reihe" oder auch "Winnetou". Gegen Ende 1976, Anfang 1977 kaufte dann wiederum das Verlagshaus "Gruner & Jahr" einen Großteil der Rechte der bis dato produzierten Hörspieltitel auf.
"Gruner & Jahr" und dessen Hörspiellabel "Maritim", eigentlich mehr als bedient mit Massen von eigenen Hörspielvertonungen aus dem Märchen, Western und Abenteuerbereich erfand das Label "Auditon" für die Paralellproduktionen. In den ersten Veröffentlichungen wiesen die Hörspielcover sowohl das bekannte alte "Für Dich-Logo" als auch das neu erschaffene "Auditon-Logo" auf. Im Zuge der weiteren Veröffentlichungen verschwand dann immer mehr das alte Relikt und nur das Auditon-Logo zierte die Cover.

Während Maritim-Hörspiele für ihre Preiswertigkeit (5.-DM pro LP/MC) vom Verlag beworben wurden und auch in diesem Segment zu starker Konkurrenz des EUROPA-Labels zählten, wurde für die Auditon-Hörspiele ein höherer Ladenpreis angesetzt,aber nicht nachhaltig durch die Kundschaft akzeptiert.
Neben der reinen Kostenfrage, Waren für zwei Hörspiellabel zu produzieren, war sicherlich auch die schlichte Tatsache, das die "Gruner & Jahr" mit "Maritim" bereits ein deutlich populäreres Label und damit einen stärkeren Interessensschwerpunkt darstellte, ausschlaggebend für die kurzer Dauer der Auditon-Phase.
Nach der Einstellung des Labels gingen Märchen und ältere Abenteuer-Stoffe gänzlich unter. Lediglich eine handvoll Produkte aus dieser Zeit schaffte den Sprung zum "Maritim-Label" und wurde dort mit identischen Coverillustrationen neu aufgelegt, welche sich demnach nur durch das Firmenlogo unterschieden. Hier sind vor allem die 3-teilige Serie "Die Zeitmaschine", "Science Fiction-Dokomente", "Das Geheimnis des Bermuda Dreieck", Peter Folken's Zweiteiler "Die Geschichte der Urzeit" sowie die "Tine und Moni-Serie" hervorzuheben.

Fazit:
Für Dich/BOX/Auditon-Hörspiele verfügen teilweise über excellente Hörspielproduktionen und/oder Cover.
Wie bei den meisten anderen Hörspielfirmen so gab es auch hier sicherlich viel Massenware, aber auch einige Hörspielperlen aus jeder der oben erwähnten Produktionsphasen.
In der Regel sind Hörspiele dieser Label recht billig zu bekommen,wobei es natürlich auch hierbei starke Preisschwankungen geben mag. Unter Sammlern,das kann man sicher behaupten sind diese Label jedenfalls noch nicht mit astronomische Preisen in Verbindung gebracht worden-viele sind oftmals recht günstig zu bekommen und ihr Geld absolut wert ! :) Komplettsammler werden bei den ebenfalls oben erwähnten Überschneidungen zwischen den Labels Auditon und Maritim sicherlich keine Rücksicht darauf nehmen,dass besagte Produktionen bis auf die Firmenlogos tatsächlich völlig identisch sind.Der selektive Sammler kann sich dort das Hörspiel mit dem günstigeren Preis heraussuchen... ;)